Keltis - Spiel des Jahres 2008
Keltische Spielerei

Reiner Knizia ist in der Spieleszene kein Unbekannter. Im Gegenteil, er ist einer der eifrigsten Autoren und hat annähernd 1000 Spiele veröffentlicht. Unter ihnen viele moderne Klassiker, allen voran Einfach Genial (2004), welches es im gleichen Jahr auf die Nominierungsliste zum Spiel des Jahes geschafft hat. Der Titel ist ihm bisher jedoch verwehrt geblieben. Dieses Jahr hat es gleich doppelt geklappt. Neben "Wer war's", dem Kinderspiel des Jahres erhielt er auch den Kritikerpreis. Zurecht?
So ganz neu ist die Idee zu Keltis jedoch nicht. Vor fast 10 Jahren, 1999, erschien in der berühmten Zweier-Reihe von Kosmos "Lost Cities", welches sich noch heute ungeheurer Beliebtheit erfreut (und somit immer noch erhältlich ist!). Bei Lost Cities buddelten zwei Spieler um die Wette, starteten wertvolle Expeditionen und erhofften sich saftige Gewinne. Ein Stapel Karten und ein Ablagebrett reichten, um 30-40 Minuten zu fesseln. Doch wurden Rufe laut, Lost Cities doch für vier Spieler umzusetzen. Die Jahre strichen ins Land und man wartete und wartete. Doch nun hat das Warten ein Ende. Zwar wurde das Thema deutlich abstraiert (wieso eigentlich, zumal man in anderen Ländern das ursprüngliche Thema beibehalten hat), aber der Mechanismus beibehalten. Nun sammelt man Karten, um an begehrte Plättchen zu kommen und auf den Zählleisten weit voran zu kommen. Bleibt nun die Frage, wie das Spiel zu Viert funktioniert und ob der Spielspaß erhalten bleibt. Um es vorweg zu nehmen, Keltis kann in meinen AUgen die Erwartungen nicht ganz erfüllen. War im Spiel zu Zweit noch ein taktisches Spielen möglich, so erhöht sich der Glücksfaktor im Spiel zu viert doch deutlich. Oft fehlen einem die Karten, die man braucht, um in einer Reihe weiter zu kommen, da man diese nur entweder in aufsteigender oder absteigender Reihenfolge ablegen darf. Für jede abgelegte Karte kommt man in der entsprechenden Spalte ein Feld weiter und erhält eventuell noch Bonusmarker oder darf einen Stein zusätzlich bewegen. Ohne bestimmte Marker erhält man am SPielende jedoch viele Minuspunkte und wer partout nicht die passenden Karten bekommt, kann nur zusehen, wie die Mitspieler absahnen, während man leer ausgeht.
Ebenfalls auffällig in unseren Partien war, dass kaum Karten in die Mitte abgelegt wurden. Im SPiel zu Zweit konnte man so Zeit gewinnen oder an noch fehlende Karten kommen, weil die Kartenhand begrenzt war. AUch bei Keltis ist Zahl begrenzt, doch gönnt man den anderen Spielern kaum Karten und somit bleibt die Ablage meist leer.
Zu zufällig wirkt Keltis in dieser Hinsicht und der Spieler mit dem meisten (Karten-)Glück gewinnt nach kurzen 20-30 Minuten. Länger dauert eine Partie selten. Das Spiel endet, wenn 5 beliebige Steine der Spieler in die dunkle Siegzone gezogen wurden. Es folgt die Abrechnung, wobei Steine in den unteren Bereichen Minuspunkte zählen. Punkte erhält man für die Positionen der eigenen Steine auf dem Spielbrett. Je höher, desto mehr Punkte. Jeder Spieler besitzt 4 flache und einen hohen Stein. Letzterer verdoppelt die Punktzahl des Feldes, auf dem er steht. Wohl dem, der es schafft, ihn voran zu treiben.
Grafisch ist "Keltis - der Weg der Steine" sehr gelungen. Die grüne Schachtel fällt sofort ins Auge und der irische Hintergrund hat fast etwas esotherisches. Dazu trägt auch die Spielgrafik bei, doch irgendwie mag das abstrakte nicht so zu fesseln, wie die liebevolle Gestaltung der Ausgrabungsstätten in Lost Cities.
Ist Keltis nun ein schlechtes Spiel? Sicher nicht, wenn man sich auf den enormen Glücksfaktor einstellt und kein zweites Lost Cities erwartet oder erst recht kein Lost Cities für vier Spieler. Vielleicht klappt aber auch ein Lost Vities zu Viert nicht wirklich so gut. Wer weiss. Dass Keltis zum Spiel des Jahres nominiert wurde, mag ok sein, aber es wundert schon ein wenig, zumal kaum Spiel aus Essen auf der Nominierungsliste zu finden sind (und es war ein starker Jahrgang!) Doch die Jury war schon immer für Überraschungen gut und für Familien, die ein locker leichtes Spielvergnügen suchen, ist auch Keltis sicher empfehlenswert. Alle anderen warten auf den Deutschen Spielepreis. Oder vergnügen sich weiter mit Lost Cities.
Abschliessend sei noch darauf hingewiesen, dass Keltis zu Zweit wieder hervorragend funktioniert. Da steht es seinem Zweier-Pendant in nichts nach. Aber für Zwei gibts eben Lost Cities....
Keltis - Der Weg der Steine (2008)
Reiner Knizia
Kosmos Verlag
2-4 Spieler
Ab 10 Jahre
ca. 30-40 Minuten
ca. 25 Euro
Denis








































