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12.09.2008

Stone Age

Bereit für die Steinzeit?

Was haben Carcassonne, Säulen der Erde, Caylus, Agricola, der Sechs Städte Bund und geschätze 1357 weitere Spiele gemeinsam? Richtig! Sie alle sind historisch im Mittelalter angesiedelt. Die Moderne überzeugt eher durch Horror- und Kriegsspiele, die Antike wird erobert, aber das kanns doch nicht gewesen sein? Mitnichten. Vor den Römern gabs nämlich auch schon was. Und davor ebenso. Unternehmen wir eine Reise 15.000 Jahre in die Vergangenheit. Dort befand sich die Menschheit noch in ihrem längsten Zeitabschnitt, in der Steinzeit. Sie begann vor über 2.000.000!!! Jahre und endete vermutlich um 8.000 v.Chr. Ein enormer Zeitraum, über den es im Vergleich verschwindend wenig Spiele gibt. DOch das Jahr 2008 soll dies ändern. Nicht nur Roland Emmerichs Film 10.000 BC ist ein wahrer Blockbuster, auch das Spieleregal darf sich mit Steinzeitspielen schmücken. Wenn auch verhalten. Das herausragendste ist sicherlich Stone Age von Michael Tummelhofer (Synonym!). Der Name ist Programm. Und doch erinnert Stone Age frappierend an historisch modernere Vertreter seiner Gattung. Allen voran den "Säulen der Erde". Billiges Plagiat oder spielenswerte Alternative? Betrachtet man die Grafik und Mechanik, so kann man Tummelhofers Spiel tatsächlich als eine Art Kopie von Michael Rienecks und Stefan Stadlers Säulen der Erde sehen. Doch spielerisch unterscheiden sich beide dennoch zu Genüge. Worum geht's? Als Steinzeit-clan mit zu Beginn 5 Mitgliedern versucht man, durch Bau von Hütten und sammeln von Karten Siegpunkte zu erlangen. Soweit bekannt. Doch statt Baumeister aus einem Beutel bringen hier Würfel Glück ins Spiel und Karten können enorme Siegpunkte bringen. Um an Karten und Gebäude zu kommen benötigt man Rohstoffe. Diese gibts in Form von Holz, Ziegel, Stein und Gold. Da die Beschaffung damals schwerer wie heute war, sollte man auch schauen, den einen oder anderen Hammer zu bekommen, der unser Würfelglück erhöht. Die arbeitende Meute will zudem noch ernährt werden. Mit hungrigem Magen arbeitet es sich halt nich so gut und so sollte man auch die Jagd nicht vernachlässigen. Denn diese bringt Nahrung und macht uns satt. Auf Dauer reichen 5 Personen zum Abbau der Rohstoffe, Jagen der Tiere, Bauen der Hütten und Ergattern der begehrten Bonuskarten nicht mehr aus. Da hilft dann nur noch geschickte Familienplanung, sprich: Nachwuchs muss her. Zwei Personen in die Hütte und - voilá - in der nächsten Runde steht uns ein neuer fertiger Arbeiter/Jäger zu Verfügung.
Neben dem Sonderfeld Hammer und Nachwuchs gibt es auch noch eine Ackerfläche, die von einem Spieler als Aktion genutzt werden kann. Jagd hin oder her, die Nahrungsleiste gibt uns Reserven. Denn am Ende einer Runde muss für jedes Clan-Mitglied genügend Nahrun vorhanden sein, sonst kann es unter Umständen sehr teuer werden. Reicht der Vorrat in der Nahrungsleiste nicht aus, muss man durch "gejagte" Nahrung dieses Defizit ausgleichen.
Doch vor dem Essen heisst es arbeiten und so setzen die Spieler reihum ihre Figuren auf die Spielplanfelder, die sie benutzen möchten. Je nach Spielerzahl gibt es hier Einschränkungen. Die Anzahl der eingesetzen Personen erhöht die Möglichkeit, an entsprechende Rohstoffe zu kommen. Jeder Rohstoff hat einen bestimmten Wert (Holz z.B. 3, Gold 6). Hier kommt ein netter Würfelmechanismus ins Spiel. Die Anzahl der eingesetzten Personen gleicht der Anzahl der Würfel, die man benutzen darf, um den den Rohstoff abzubauen. Die Summe der Würfel wird durch den Wert des Rohstoffs geteilt. Dieser Wert ist die Anzahl des Holzes, Ziegels etc, die man erhält. Beispiel: 4 Mitglieder stehen bei Stein. Stein kostet 5. Vier Würfel ergeben die Summe 19. Dumm gelaufen. Man erhält nur 3 Steine. Wäre die Summe 20, hätte man 4 erhalten. Hier kommt das Werkzeug ins Spiel. Der aufgedruckte Wert wird zur Würfelsumme hinzu gezählt. So kommt man dann recht einfach auf einen Punkt mehr.
Statt mit den Rohstoffen Hütten zu bauen, welche sofort Siegpunkte bringen, kann man sie auch für Karten ausgeben. Diese bringen erst einmal nicht unbedingt viel, sind am Ende des Spiels aber entscheidend. So multiplizieren sich unterschiedliche "Gegenstands"-Karten (wer 6 verschiedene besitzt, erhält also 36! Punkte). Auf anderen sind Personen abgebildet und neben diesen ein Symbol. Das Symbol steht für Familienmitgliedern, gebaute Hütten, Stand der Nahrungsleiste oder Werkzeug. Hier zähöt man die abgebildeten Personen zusammen und multipliziert diese mit der Anzahl Hütten/Korn/Werkzeug etc. Stone Age endet, sobald entweder die Karten oder ein Stapel Hütten aufgebraucht sind.
Zurück zu Anfangsfrage. Plagiat oder spielenswerte Alternative. Trotz ähnlicher Elemente überzeugt Stone Age auf ganzer Linie. Dies gilt sowohl für das Design, welches eine tolle Spielgrafik bietet als auch für das verwendete Spielmaterial, welches so gar nicht in die Schachtel passen will. Die Figuren und Rohstoffe sind aus Holz, wobei unterschiedliche Formen verwendet wurden. Haptisch ein Genuss. Und der Spielspaß? Auch der wurde nicht vergessen. Stone Age gehört einfach auf den Tisch. Trotz des Würfelglücks bietet es einen hohen Anspruch und die Züge wollen gut geplant sein. Schön, dass die Spieldauer zu dritt bei ca. 60 Minuten und zu viert selten über 90 Minuten geht (ok, man kann jedes Spiel tot denken, aber das liegt an der Spielerrunde).
 

Fazit: Hans im Glück ist zur Zeit auf einer Bergfahrt, Wikinger, Oregon (welches ich auf der Spiel des Jahres Liste vermisst habe) und zuletzt nun Stone Age (welches zu Recht auf dieser Liste steht). Jeder, der ein zugängliches, anspruchsvolleres Spiel mit einer Note Glück sucht, sollte hier zugreifen!

 

Stone Age (2008)
Michael Tummelhofer (syn.)
Hans im Glück
(2)-4 Spieler
Ab 10 Jahre
60-90 Minuten

 

Tipp: Weitere interessante Spiele mit dem Thema Steinzeit sind sicherlich Carcassonne: Jäger und Sammler (HiG), Clans (Winning Moves), Am Rande des Gletschers (Krimsu) und Das Tal der Mammuts (Eurogames Descartes). Leider sind einige der hier genannten Spiele vergriffen.

 

 

Denis