Land in Sicht
Leben wie Gott - das kann man (angeblich) in Frankreich, wie im Paradies in der Südsee. Weiße Strände, Palmen, blaues Meer, blauer Himmel und Sonne, Sonne, Sonne, die man sich auf den Pelz brennen lassen kann. Aber manchmal reicht das nicht aus, um sich wie im Paradies zu fühlen und so lässt der König von Tonga ein rauschendes Fest bereiten, welches den weitgereisten Gästen (wohlbetuchten Touristen) die erlesensten Kostbarkeiten des Inselreiches vor Augen führen soll. Da der König aber alle Hände voll zu tun hat, schickt er seine besten Seefahrer durch den Pazifik, um auf den kleinen Inseln das zu finden, was der Tourist, Verzeihung, Gast begehrt - Perlen, Schätze, süße Früchte und exotische Tiere.
Aber der Pazifik ist tückisch. Überall hats Korallenriffe und so müssen sich die tapferen Seefahrer an Seewege halten, die aber nicht immer dahin führen, wo man hin möchte. Es sei denn, man ist in der Lage, sich die Routen einzuprägen. Und voila - wir haben ihn, den Kern des Spiels, den Schatz. Denn wer es als erster schafft, dem
König die verlangten Kostbarkeiten zu bringen, gewinnt das Spiel. Soviel zur Geschichte, lasst uns ins See stechen.
Es gibt kein Spielbrett. Das fällt schon einmal auf. Dafür einen Rahmen und viele quadratische Inselkarten. Dadurch ist kein Spiel wie das vorherige, da die Insel und Wege immer neuen Anordnungen unterliegen. Eine weitere schöne Idee bilden die Karten selbst. Sie sind zwei-lagig. Zu Beginn verdeckt, werden die Inselkarten bei der Reise aufgedeckt und offenbaren so die zur Verfügung stehenden Seewege, um an die Schätze zu kommen.
Aber Stefan Dorra hat noch mehr Ideen, wie man einem Spiel einen hohen Wiederspielwert verschaffen kann. nämlich die Siegbedingungen. Diese legen die Spieler vorher auf der Auftragstafel fest. Das heißt, man bestimmt, wie viele Kostbarkeiten der entsprechenden Sorte gesammelt werden sollen und auf welcher Insel das Fest schlussendlich stattfindet. Wenige Kostbarkeiten bedeuten ein schnelleres Spiel, je mehr desto länger aber nie langweiliger, wie wir schnell feststellen mussten.
Die Regeln sind einfach. Man startet von einem Randfeld aus in See, folgt einer Seefahrtslinie bis zum Rand der Inselkarte, klappt die nächste auf und fährt solange weiter, bis man einen Hafen erreicht. Dort kann man nun die angebotene Kostbarkeit auf seine Schiffstafel legen und der Zug endet. Wer jetzt denkt, ist ja einfach, ich brauch 3 Schätze, dann fahr ich doch dreimal zu dieser Insel hat sich aber verfahren, äh, verschätzt. Denn die gesammelten Güter einer Art müssen von verschiedenen Inseln stammen, erkennbar durch den farbigen Rand (es gibt jeweils 5 Inseln mit jeweils 4 Kostbarkeiten!) Landet man in einem Hafen mit Taverne und benötigt die Kostbarkeit nicht, darf man weiterfahren. Andernfalls endet der Zug. Alle aufgedeckten
Inselkarten werden nun wieder umgedreht. Lediglich die Karte, auf der man sein Schiff stehen lies, bleibt offen.
Irgendwo in den Weiten des Pazifiks liegen dann die vier Königsinseln. Eine dieser Insel ist Austragungsort des Festivals, der Ballermann der Südsee. Hat man alle Kostbarkeiten zusammen (man darf nicht mehr aufladen als verlangt!) heißt es, Segel setzen und zur Insel zu schippern. Um den anderen klar zu machen, wer hier Wind in den Segeln hat, setzt man seine Flagge auf seine Schiffskarte und hofft nun, sich die Wege gemerkt zu haben, die schnell zur Inseln führen. Wer als erster dort ankommt, ach das hatten wir ja schon.
"Land in Sicht" ist nicht nur der Ausruf erleichterter Seemänner nach Monaten auf See, sondern auch uns ging ein Seufzer über die Lippen, als endlich die Königsinsel erreicht war. Ein Seufzer der Erleichterung, aber im positiven Sinne. Denn was haben wir geflucht, als wir zum x-mal den falschen Seeweg nahmen, durch die halbe Südsee kurvten. Und es war spannend, denn während die einen zwar schon alle Kostbarkeiten geladen hatten, aber noch umherirrten wie Odysseus, konnten die anderen aufholen und wer sich die Wege gut einprägte, den führenden im letzten Zug noch einholen. Das ärgert. Das schreit nach Rache, äh, einer Revanche. Ich lass mich doch nicht... - ok, noch eine Runde.
Stefan Dorra hat mit Land in Sicht ein Spiel entworfen, welches nicht nur den Entdeckertrieb der jüngeren Generation herausfordert, sondern ein rundum gelungenes Familienspiel geschaffen, welches selbst in Erwachsenenrunden als Absacker oder lockere Unterhaltung Anklang finden sollte. Die Illustrationen sind sehr
gelungen, alles wirkt bunt wie Blumenkränze auf Hawaii. Sehr lobenswert auch der enorm hohe Wiederspielreiz durch abwechslungsreiche Elemente wie eine immer neue Inselwelt und Auftragsvergabe. Also, worauf warten. Stechen wir in See.....
Land in Sicht (2009)
Stefan Dorra
Ravensburger Spieleverlag
2-4 Spieler
ab 6 Jahre
ca. 30 Euro









































