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05.06.2008

Darjeeling

Darjeeling - Teepflückerinnen "auf Achse"

 

Manche mögen`s heiß; die einen Kaffee, die anderen Tee. Spiele zu beiden Themen gibt es wenige. Immerhin kann man seit 2006 Kaffee anbauen und ernten (Guatemala Café, Eggertspiele), aber bei Tee sah man bislang schwarz. Nun gibt es den Zucker für den Tee und aus schwarz wird grün.

 

In einer überdimensionalen grünen Schachtel nämlich verbirgt sich ein unterhaltsames, kurzweiliges Tee-Sammelspiel. Zu Beginn wählen die Spieler eine Art Szenario, sprich, in welchem Land Tee geerntet werden soll (ja, die Engländer trinken zwar gerne Tee, nein, Sammeln kann man ihn dort nicht). Zur Auswahl stehen bekannte Anbaugebiete: Indien, Sri Lanka und China, welche sich durch die Spielfeldauslage stark unterscheiden. Die Auslage bilden Kisten, in denen sich der Tee befindet. Mit seiner Teepflückerin wandern die SpielerInnen nun über das Spielfeld und sammeln diese Kisten, um sie zum geeigneten Zeitpunkt gewinnbringend zu verkaufen.

 


Ein Nachfragebarometer bestimmt nämlich den Preis, je länger eine Sorte (es gibt 4 Teesorten) nicht verkauft wurde, umso weniger stark ist die Nachfrage und dementsprechend gering fällt die Punktausschüttung aus. Ebenfalls zu tragen kommt die Menge der gesammelten Kisten. Es können nämlich nur komplette Kisten verkauft werden, halbe zählen am Ende sogar Minuspunkte. Wer nur wenige Kisten sammelt, kann zwar schneller Tee verkaufen, kommt aber nicht so richtig an Punkte. Das Nachfragebarometer haben wir ja schon erwähnt, aber es gibt noch eine weitere Möglichkeit, an Punkte zu kommen. Und diese ist deutlich lukrativer. Auf dem Zählbrett gibt es einen Kai. Von dort werden die gesammelten Kisten in alle Welt verschifft. Je mehr Kisten man nun verlädt, umso mehr Punkte erhält man und zwar Runde für Runde, bis ein Spieler vom Markt (Kai) verdrängt wurde. Wer sogar mehrfach vertreten ist, erhält auch mehrfach Punkte. Dass beim Punkteregen auch der Staat die Hände aufhält, ist selbstverständlich. Sobald die SpielerInnen ihre Kisten verschiffen möchten, geht eine an den Staat, sozusagen als Steuer. Wohl dem, der eine Sondermarke besitzt, welche einer Steuerbefreiung gleich kommt.

 

Ebenfalls steuerfrei kommt man davon, wenn man sich zum Zeitpunkt des Verladens benachbart zu einer Stadt befindet. Dort scheinen die Behörden wohl gerne einmal ein oder zwei Augen zuzudrücken. Sobald ein Spieler 100 Punkte oder mehr erreicht, wird die Runde noch zu Ende gespielt. Der/Diejenige mit den meisten Punkten gewinnt. Länger als eine Stunde dauert es selten.


Darjeeling macht Spaß. Gerade Gelegenheitsspieler und Familien fühlen sich in Indien, Sri Lanka oder China sehr wohl. Für Spielefreaks gibt es zu wenig Möglichkeiten und man fühlt sich leicht unterfordert. Diese greifen dann doch eher zu "Agricola", "Hamburgum" oder "Im Jahr des Drachen". Wer aber eine Stunde gute Unterhaltung sucht und auch mit ein wenig Glück leben kann, dem sei Darjeeling empfohlen. Alles ist also im grünen (Tee-)Bereich, oder doch nicht? Zwei Kritikpunkte muss sich Darjeeling gefallen lassen: der eine ist ein kleiner Designfehler - Die Teefrachter passen nicht alle untereinander in den Kai, dafür ist die Aussparung zu klein. Eher ein Wermutstropfen ist die riesige Verpackung (das Zählbrett hätte man garantiert falten können) und der damit vergleichsweise hohe Preis. Angesichts des sehr guten Materials (viel Holz) relativiert sich dies jedoch ein wenig.

Noch ein Wort zur Spielerzahl - Je mehr Spieler teilnehmen, desto zufälliger wird das Spiel beim Sammeln der Teekisten. Im Spiel zu zweit hingegen ist es sehr taktisch. Dies liegt auch daran, dass Wertungen weniger häufig stattfinden, weil man mehrere Kisten sammelt. Durch bestimmte Anpassungen (andere Multiplikatorleiste) bleibt die Spannung dennoch gleich.


Darjeeling (2007)
Abacus Spieleverlag
Günter Burkhardt
2-5 Spieler
ab 12 Jahre
34.99 Euro