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12.09.2008

Reise zum Mittelpunkt der Erde

Französischer Visionär - Die Reise zum MIttelpunkt der Erde

 

 

Was hat dieser Mann nicht alles erlebt. Er ist zum Mond geflogen, in 80 Tagen um die Welt gereist, 20.000 Meilen unter dem Meer gewesen und zum Mittelpunkt der Erde vorgedrungen. Von wem die Rede ist? Von Jules Verne. Geboren 1828 und gestorben 1905. Der Franzose gilt als Erfinder des Science-Fiction Romans und eine Romane sind legendär. Wenn man bedenkt, mit wieviel Phantasie er 1864 zum Erdmittelpunkt vorgedrungen ist oder 1865 den Mond erreichte (erst 1969 landeten die ersten Menschen tatsächlich auf dem Mond). Der Kosmos-Verlag, in letzter Zeit sehr aktiv in Bezug auf Literatur-verbundene Spiele (Tintenherz, Säulen der Erde, Herr der Diebe etc.) veröffentlichte just sein zweites, auf Jules Vernes Romanen basiertes Spiel. Nach "In 80 Tagen um die Welt" (2004) haben die SpielerInnen nun die Möglichkeit, zum Mittelpunkt der Erde zu reisen.
Drei Forscher machen sich auf den Weg, hinab durch einen Krater zum Lidenbrockschen Meer. Ein Vulkanausbruch spuckt die Truppe wieder ans Tageslicht. Auf ihrer Reise erlebten sie fantastische Dinge, sahen sich aber auch schweren Gefahren gegenüber. Da stellt sich die Frage, ob ein Spiel diese Atmosphäre einfangen kann. Um es kurz zu machen: Ja, es kann. Warum? Lest weiter:
Die Abenteuerfiguren wollen sicher ans Ziel gebracht werden. Da sie keinem Spieler gehören, darf jeder sie bewegen. Dies geschieht durch Karten. Ziel des Spiels ist es, möglichst viele wertvolle Fossilien zu sammeln. Manche bestehen aus nur einem Teil, andere wiederum sind aus mehreren zusammen gesetzt. Ein vollständiges Fossil bringt mehr Punkte. Auf Aktionsfeldern kann man gegen Abgabe bestimmter Karten nach Fossilien graben. Eine Lampe gibt mehr Möglichkeiten. Auf manchen Feldern findet man Wasser. Dieses ist zwingend nötig, um die Fossilien auch heil mit nach Hause nehmen zu können. Gefahr besteht hier höchstens in den Mitspielern, die meist genau das machen, was man gerade selber machen wollte. Ein angenehmes Hick Hack um die beste Beute. Sobald ein Spieler eine Figut an den Rand des Meeres bewegt, ist die erste Etappe zu Ende. Es geht übers Meer. Und das ist voller Gefahren. Manchmal findet man aber auch Unerwartetes. Ob Saurier, die angreifen oder wundersames Licht die Gruppe fasziniert. Alles ist möglich und das wertvollste, was man verlieren kann, sind Fossilien. Natrülich darf man hier im Meer auf dem Floss auch weiterhin nach ebensolchen graben, pardon - fischen. Raus gehts durch den Vulkan. Auch hier besetht Gefahr, wider Fossilien zu verlieren. Es hängt vom Kartenglück ab. Überhaupt hängt vieles davon ab. Es gibt Personenkarten, Aktionskarten, Fossilienkarten und Gegenstandskarten. Die Kartenhand ist begrenzt und nur zu gerne hätte man mehr Personenkarten oder Ausrüstungsgegenstände. Aber nie ist man machtlos. Und das ist das schöne dabei. Wo wir gerade bei Schönheit sind. Das Spiel sieht einfach klasse aus. Die Grafik (auf den Karten und dem Plan) fängt die Atmosphäre des Romans wunderbar ein. Auch die chronologische Abfolge passt zum Bestseller von Jules Verne. Wer das Buch kennt, fühlt sich einfach wohl bei dem Spiel. Da kann man nur gratulieren. Gerade Romanumsetzungen sind oft sehr einfach gestrickt. Die Reise zum Mittelpunkt der Erde weiss hingegen durchweg zu gefallen. Es ist nicht komplex, nein, der Roman richtet sich ja auch an Jugendlichen, Familien. Es macht Spaß. Und das "sich-in-die-Quere-kommen" ist eine tolle Essenz des Spiels, die sich vor allem zu Beginn bemerkbar macht. Wie auch der Roman, ist das Spiel schnell zu Ende, sobald man das Lidenbrocksche Meer überquert hat. In brennender Lava gehts nach oben. Insgesamt nach einer knappen Stunde. Wer das Buch kennt, sollte das Spiel spielen und wem das Spiel gefällt, sollte unbedingt einmal zum Buch greifen! Wer gar nichts kennt, hat was verpasst!

 

"Reise zum Mittelpunkt der Erde" (2008)
Rüdiger Dorn
Kosmos Verlag
2-4 Spieler
Ab 10 Jahre
ca. 60 Minuten
29.99 Euro

 

Denis